Expansionskurs aus Tokio: Wie fünf japanische Modemarken den Weltmarkt erobern
Mode & Stil
Aufstrebende Labels aus Japan drängen verstärkt auf internationale Laufstege und in europäische Showrooms.
Japans Modewelt erlebt international eine beispiellose Aufmerksamkeit. Ein anhaltender Touristenboom und die Faszination für handwerkliche Präzision treffen auf ein wachsendes globales Interesse an Marken aus Tokio.
Labels wie Auralee oder Ssstein sind mittlerweile feste Größen im Pariser Schauenkalender, während drei LVMH-Prize-Gewinner der letzten zehn Jahre aus Japan stammen. Doch der Aufbau einer internationalen Marke aus Ostasien bringt erhebliche logistische und strategische Hürden mit sich.
Fünf aufstrebende Designer schildern ihre Strategien, Herausforderungen und den Spagat zwischen Handwerk und globaler Skalierung.
Viviano: Hollywood als Hebel
Designer Viviano Sue
Viviano Sue wuchs zwischen den USA und China auf, bevor er an Tokios renommierter Bunka Fashion School studierte und 2014 sein gleichnamiges Label gründete. Seine Entwürfe zeichnen sich durch extravagante Rüschen und auffällige Silhouetten aus; seit 2024 führt die Marke auch Menswear.
Nachdem Sue Stars wie Lady Gaga, Bad Bunny und Hudson Williams einkleidete, stieg das internationale Interesse massiv. Der Designer setzte gezielt auf PR-Agenturen in Los Angeles statt auf klassische Modemagazine.
Viviano Herbst/Winter 2026 Menswear
„Gute Kleidung zu machen, ist nur ein Teil der Gleichung. Man braucht die richtigen Menschen, die die Entwürfe verstehen und transportieren können“, erklärt Sue. Im kommenden Januar plant das Label einen eigenen Showroom während der Pariser Modewoche, um den weltweiten Großhandel auszubauen.
Pillings: Handstrick mit Bedacht
Designer Ryota Murakami
Ryota Murakami gründete sein Stricklabel Pillings im Jahr 2020, nachdem er zuvor gemeinsam mit seiner Mutter entworfen hatte. Die kunstvollen, oft eigenwilligen Handstrickstücke finden sich heute bei Adressen wie Dover Street Market und Andreas Murkudis.
Im Jahr 2024 übernahm Little League, eine Tochter der The Sazaby League, das Label. Diese Struktur entlastet Murakami im Vertrieb, ändert jedoch nichts am strikten Limit bei der Produktion.
Pillings Herbst/Winter 2026
„Bei Handstrick gibt es eine Obergrenze pro Saison. Wir wollen die Produktion nicht künstlich hochfahren, nur um die Nachfrage zu decken“, betont Murakami. Als größte Hürde für den internationalen Markt sieht er die geografische Distanz zu Partnern in Europa und den USA.
Khoki: Gemeinschaftsarbeit und Fankultur
Khoki Herbst/Winter 2026
Das 2019 gegründete Menswear-Label Khoki agiert als siebenköpfiges Kollektiv unter der Leitung von Koki Abe. Mit Fokus auf traditionelle Textiltechniken wie Patchwork, Stepperei und Stickerei schaffte es die Marke 2024 auf die Shortlist des LVMH Prize.

Das Kollektiv setzt auf langfristige Partnerschaften statt schneller Expansion. Workshops und Kooperationen mit lokalen Händlern in ganz Japan festigen die Kundenbindung.
„Der japanische Markt erlaubt es jungen Labels, im Inland schnell wirtschaftlich stabil zu sein. Das verleitet manche dazu, ohne klares Konzept nach Übersee zu drängen“, heißt es aus dem Team. Eine erste große Laufstegshow plant das Kollektiv für September 2027 auf der Tokyo Fashion Week.
Ancellm: Textilhandwerk aus Okayama
Designer Kazuya Yamachika
Kazuya Yamachika gründete Ancellm im Jahr 2020 im traditionsreichen Textilzentrum Okayama. Die Nähe zu spezialisierten Färbereien und Webereien ermöglicht experimentelle Waschungen und gezielte Alterungseffekte.
Mittlerweile beliefert die Marke weltweit rund 90 Händler und betreibt einen eigenen Flagship-Store im Tokioter Trendviertel Jingumae.
Ancellm Herbst/Winter 2026
„Die Nähe zu den Werkstätten erlaubt es uns, direkt mit den Handwerkern zu experimentieren. Die spannendsten Strukturen entstehen oft durch Zufälle im Waschprozess“, sagt Yamachika. Langfristiges Ziel bleibt eine Präsentation auf der Paris Fashion Week.
Mukcyen: Vom Social-Media-Erfolg zum Konzept
Designerin Yuka Kimura
Die frühere Yohji-Yamamoto-Mitarbeiterin und Influencerin Yuka Kimura lancierte Mukcyen 2023 unter dem Dach der Sohki Corporation. Das Label steht für figurbetonte Silhouetten mit neogotischem Einschlag und gewann bereits den JFW Next Brand Award.
Kimuras eigene Online-Präsenz verschaffte dem Label sofortige Sichtbarkeit, birgt jedoch auch Herausforderungen bei der Markenpositionierung.
Mukcyen Herbst/Winter 2026
„Interesse an meiner Person führt nicht automatisch dazu, dass Kunden die Kleidung verstehen oder kaufen“, betont Kimura. Um die Haptik und Passform erlebbar zu machen, setzt sie für die internationale Expansion weiterhin primär auf ausgewählte stationäre Händler.









