Erster großer Damenduft seit fast einem Jahrzehnt: Guerlain legt Klassiker L’Heure Bleue neu auf
Mode & Stil
Guerlain präsentiert eine moderne Neuinterpretation des Duftklassikers L’Heure Bleue aus dem Jahr 1912.
Das französische Traditionshaus Guerlain bringt seinen ersten großen Damenduft seit fast zehn Jahren auf den Markt. Nach dem Release von Mon Guerlain im Jahr 2017 wagt das Unternehmen nun eine Neuinterpretation einer seiner geschichtsträchtigsten Kreationen: L’Heure Bleue.
„Bei Guerlain lassen wir uns Zeit, bis wir der Welt etwas wirklich Bedeutendes anbieten können“, erklärt CEO Gabrielle Saint-Genis. Mit fast 200 Jahren Markengeschichte stehe die Hommage an ein historisches Werk von Jacques Guerlain im Mittelpunkt.
Vom Pariser Abendhimmel ins Labor
Die ursprüngliche Version entstand 1912. Inspiriert wurde Jacques Guerlain damals von der besonderen Stimmung der Dämmerung an der Pariser Seine.
Die Brücke Pont Neuf in Paris zur blauen Stunde.
„Er erlebte die blaue Stunde – jenen Moment der Stille, in dem die Atmosphäre in Blau getaucht ist und Blumen ihre intensivsten Düfte freisetzen“, so Saint-Genis. Zwei Jahre lang habe der Parfumeur gearbeitet, um diese Emotion olfaktorisch festzuhalten.
Parfumeur Jacques Guerlain schuf den Originalduft im Jahr 1912.
Für die zeitgenössische Version zeichnet Delphine Jelk, Direktorin für Duftkreation bei Guerlain, verantwortlich. Sie stellte sich der Frage, wie Jacques Guerlain den Duft mit der heutigen Palette an Inhaltsstoffen komponiert hätte.
Das Ergebnis kombiniert eine ozonisch-marine Note durch den Riechstoff Cascalone mit einer Premiere: einer speziellen Iris-Tinktur, die dem Duft eine kristalline Frische verleiht.
Koexistenz von Original und Neuauflage
Der weltweite Launch folgt auf eine frühere Veröffentlichung auf dem chinesischen Markt. Das historische Original wird dabei keineswegs ersetzt.
Die Kampagne zur weltweiten Markteinführung des neuen Damendufts von Guerlain.
„Wir bewahren das Original wie einen Schatz“, betont Saint-Genis. Die historische Kreation heißt fortan L’Heure Bleue 1912 (147 Euro für 75 ml), während der neue Entwurf als L’Heure Bleue firmiert.

Preislich positioniert Guerlain die Neuauflage bewusst zugänglich: 30 ml kosten 86 Euro, 50 ml liegen bei 122 Euro und 100 ml bei 169 Euro.
Der Flakon der neuen Edition von L’Heure Bleue.
„Guerlain ist kein elitäres, exklusives Haus. Wir wollten außergewöhnliche Qualität zu diesen Einstiegspreisen anbieten“, so die CEO weiter.
Finanzielle Bedeutung und Marktlage
Guerlain wurde 1828 gegründet und gehört seit 1994 zum Luxuskonzern LVMH. Während der Gesamtbereich Parfüm und Kosmetik bei LVMH 2025 rund 8,2 Milliarden Euro erlöste, steuerte Guerlain laut Analystenschätzungen von Bernstein zwischen 1,2 und 1,5 Milliarden Euro bei.
Auf dem globalen Duftmarkt zeichnet sich derzeit eine Polarisierung zwischen zugänglichem Prestige und hochpreisigen Ultra-Premium-Kollektionen ab. Guerlain bedient letzteres Segment mit Linien wie L’Art & La Matière (335 Euro für 100 ml) oder Les Extraits (550 Euro für 50 ml).
Guerlain setzt weltweit auf ausgewählte Präsenzen wie dieses Spa im Orient Express Corinthian.
Trotz des Wachstums verzichtet das Haus auf eine aggressive Expansion der eigenen Verkaufsstellen. Aktuell betreibt Guerlain weltweit weniger als 100 Boutiquen und rund 50 Spas, um den Charakter der Exklusivität zu wahren.
Statt auf kurzlebige Trends wie Bodysprays setzt das Unternehmen auf Tradition und Duft-Layering in Verbindung mit den Premium-Extrakten. Für Saint-Genis ist das historische Erbe der entscheidende Vorteil im weltweiten Wettbewerb.





