18 Ikonen der Baukunst: Wie Architektinnen weltweit Baugeschichte schrieben
Design & Einrichtung
Das Heydar Aliyev Center in Baku gilt als eines der bekanntesten Werke von Zaha Hadid.
Über Jahrzehnte hinweg blieb der Beitrag von Frauen in der Architekturgeschichte oft im Schatten männlicher Kollegen. Ob spektakuläre Wolkenkratzer, sensible Umbauten oder funktionale Alltagsarchitektur: Architektinnen haben urbane Räume weltweit entscheidend geprägt.
Die folgenden 18 Projekte dokumentieren den Einfluss herausragender Planerinnen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
Skulpturale Großprojekte und markante Kulturzentren
Fließende Formen und organische Fassaden
1. Heydar Aliyev Center (Baku, Aserbaidschan) – Zaha Hadid
Das 2012 eröffnete Kulturzentrum verzichtet weitgehend auf harte Kanten. Die weiße Gebäudehülle geht nahtlos von den Außenplätzen in Wände und Dachstrukturen über und etablierte Hadid endgültig als globale Architekturikone.
2. Aqua Tower (Chicago, USA) – Jeanne Gang
Der 2009 fertiggestellte, 84-geschossige Wolkenkratzer sticht durch seine wellenförmig geschwungenen Balkone hervor. Neben der Ästhetik erfüllen die Auskragungen konkrete Zwecke: Sie bieten Sonnenschutz und reduzieren extreme Windlasten an der Fassade.
3. MAAT (Lissabon, Portugal) – Amanda Levete
Direkt am Tejo gelegen, schmiegt sich das Museum für Kunst, Architektur und Technologie wie eine Welle an das Flussufer. Die mit tausenden Keramikfliesen verkleidete Hülle reflektiert das Licht, während das Dach als öffentlich begehbare Promenade dient.
4. The Shed (New York City, USA) – Elizabeth Diller
Im Neubauviertel Hudson Yards entwarf Diller ein transformierbares Kulturzentrum. Eine massive Außenhülle auf Schienen lässt sich flexibel ausfahren, um binnen Minuten geschlossene Großräume für Konzerte oder Ausstellungen zu schaffen.
5. Museum of Contemporary Art (Cleveland, USA) – Farshid Moussavi
Das Museumsgebäude verändert seine Wirkung je nach Standort und Lichteinfall. Seine facettierte Spiegelglasfassade wirft die urbane Umgebung zurück und leitet Besucher in stetig ansteigende Galerieräume.
Verbindung von Natur, Wüste und Transformation
6. Bee’ah-Hauptsitz (Sharjah, VAE) – Zaha Hadid
Der Verwaltungssitz greift die Silhouette vom Wind geformter Wüstendünen auf. Das Bauwerk kombiniert die expressive Formensprache mit modernen Umwelttechnologien und solarer Energieversorgung.
7. The Opus (Dubai, VAE) – Zaha Hadid
Das 2020 vollendete Projekt erscheint als gläserner Kubus, in dessen Kern eine organische, scheinbar frei geformte Öffnung geschnitten wurde. Neben Büros beherbergt der Bau das von Hadid komplett durchgestaltete ME Dubai Hotel.
8. Mleiha Archaeological Centre (Sharjah, VAE) – Sumaya Dabbagh
Die saudische Architektin wählte eine flache, langgestreckte Bauweise, die sich zurückhaltend in die Wüstenlandschaft einfügt. Das Zentrum schützt und erschließt historische Ausgrabungsstätten der Golfregion.
9. Louvre-Lens (Lens, Frankreich) – Kazuyo Sejima (SANAA)
Auf einem ehemaligen Zechengelände in Nordfrankreich konzipierte Sejima anstelle eines monumentalen Museumsbaus flache, miteinander verbundene Pavillons. Die matten Aluminiumfassaden spiegeln die umgebende Parklandschaft wider.

10. La Lira (Ripoll, Spanien) – Carme Pigem (RCR Arquitectes)
Das Bauwerk schließt eine Baulücke und fungiert gleichzeitig als Fußgängerbrücke und offenes Theater über dem Fluss. Die wetterfeste Stahlkonstruktion dient der Kleinstadt als neuer öffentlicher Knotenpunkt.
Historische Meilensteine und Pioniere der Moderne
11. Frankfurter Küche (Frankfurt am Main, Deutschland) – Margarete Schütte-Lihotzky
1926 entwickelte Schütte-Lihotzky für das Wohnungsbauprogramm „Neues Frankfurt“ den Prototyp der modernen Einbauküche. Auf wenigen Quadratmetern waren alle Handgriffe und Abläufe optimiert; rund 10.000 Einheiten wurden gefertigt.
12. Villa E-1027 (Roquebrune-Cap-Martin, Frankreich) – Eileen Gray
Das 1929 vollendete Sommerhaus an der Côte d’Azur gilt als Schlüsselwerk moderner Wohnarchitektur. Nachdem Le Corbusier eigenmächtig Wandbilder im Haus anbrachte, wurde das Gebäude lange Zeit fälschlicherweise ihm zugeschrieben, bevor Grays Urheberschaft restauriert wurde.
13. The Woman’s Building (Chicago, USA) – Sophia Hayden
Für die World’s Columbian Exposition 1893 entwarf die erst 21-jährige MIT-Absolventin Hayden das Ausstellungsgebäude. Trotz des architektonischen Erfolgs sah sich Hayden massiven Anfeindungen und schlechter Bezahlung ausgesetzt, was zu ihrem frühen Rückzug aus dem Beruf führte.
14. Pacific Design Center (Los Angeles, USA) – Norma Merrick Sklarek
Als Projektarchitektin leitete Sklarek – eine der ersten lizenzierten afroamerikanischen Architektinnen der USA – die technische Umsetzung des ikonischen „Blue Whale“-Komplexes in West Hollywood nach Entwürfen von César Pelli.
15. Waterloo Bridge (London, Großbritannien)
Die 1945 eröffnete Themse-Überquerung entstand zu großen Teilen durch die Arbeitskraft von Frauen, die während des Zweiten Weltkriegs den kriegsbedingten Männermangel im Baugewerbe ausglichen.
Kulturerbe, Identität und Weiterbauen im Bestand
16. The Frick Collection (New York City, USA) – Annabelle Selldorf
Selldorf leitete die umfassende Modernisierung und behutsame Erweiterung des New Yorker Kunstmuseums. Das historische Stadtpalais von 1914 wurde um neue Ausstellungsflächen ergänzt, ohne seinen privaten Charakter zu verlieren.
17. La Tallera (Cuernavaca, Mexiko) – Frida Escobedo
2012 transformierte Escobedo das Atelier des Malers David Alfaro Siqueiros in ein Kulturzentrum. Durch das Drehen massiver Wandelemente öffnete sie den Gebäudekomplex zu einem neu geschaffenen Vorplatz hin.
18. Pearling Path Visitor Center (Muharraq, Bahrain) – Noura Al Sayeh Holtrop
Das Besucherzentrum ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes zur Geschichte der Perlenfischerei. Holtrop verknüpfte historische Bausubstanz über moderne Betondach- und Innenhofstrukturen mit dem bestehenden Stadtgefüge.
