10 historische Traditionsorte in Mailand: Genuss und Handwerk seit 1817
Mode & Stil
Klassische Bars und traditionsreiche Betriebe prägen das Mailänder Stadtbild seit über zwei Jahrhunderten.
„Mailand ist wirklich schön, mein Freund, und man braucht manchmal eine feste Willenskraft, um seinen Verführungen zu widerstehen“, schrieb der Schriftsteller Giovanni Verga bereits 1873 in einem Brief an Luigi Capuana. Während die norditalienische Metropole heute oft für flüchtige Modetrends und Neueröffnungen bekannt ist, liegt ihre eigentliche Identität in den seit Jahrzehnten unveränderten Betrieben.
Abseits des hektischen Wandels bewahren ausgewählte Adressen das Erbe der Stadt. Zehn historische Institutionen stehen für Handwerk, Authentizität und Mailänder Alltagskultur.
Süße Traditionen: Cafés und Confiserien
Cova (Via Monte Napoleone 8): Gegründet 1817 von Antonio Cova, einem Soldaten Napoleons, eröffnete das Café ursprünglich direkt neben dem Opernhaus La Scala. Seit 2013 gehört das Haus zur LVMH-Gruppe, behielt am Standort Montenapoleone jedoch sein klassisches Interieur mit Kronleuchtern und Spiegeln bei.
Pasticceria Marchesi (Via Santa Maria alla Porta 11/a): Angelo Marchesi eröffnete den Betrieb 1924 nahe dem Mailänder Dom. Obwohl das Traditionshaus 2014 von Prada übernommen und um weitere Filialen ergänzt wurde, besitzt das Stammhaus im Corso Magenta bis heute die originalen Holzkassettendecken und Art-déco-Leuchten aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Giovanni Galli (Corso di Porta Romana 2): Seit der Gründung 1911 stellt Galli Pralinen und Marrons Glacés nach unveränderten Familienrezepten ohne Konservierungsstoffe her. Ab 1942 belieferte der Betrieb das italienische Königshaus Savoyen. Die Kastanien werden im Herbst frisch verarbeitet und teilweise in Zuckersirup für das Frühjahr gelagert.
Streetfood-Pioniere und feste Rituale
De Santis (Corso Magenta 9): Das Ehepaar Renzo und Dina De Santis begann 1964 damit, belegte Panini nach eigenem Hausrezept auf Bestellung frisch zu toasten. Das Konzept des schnellen, hochwertigen Imbisses war damals neu. Der historische Holztresen steht bis heute im Originalgeschäft.
Panzerotti Luini (Via Santa Radegonda 16): 1949 zog Giuseppina Luini aus Apulien nach Mailand und übernahm eine kleine Bäckerei unweit des Doms. Mit ihrem apulischen Familienrezept für frittierte Panzerotti mit Tomate und Mozzarella schuf sie einen festen Treffpunkt der Stadt, der bis heute in Familienhand geführt wird.

Giannasi (Piazza Bruno Buozzi 2): Die Geschwister Graziella, Dorando und Luciano Giannasi bauten 1966 einen verlassenen Pavillon an der Piazza Buozzi um. Seit der Eröffnung 1967 gilt das dort frisch gegrillte Hähnchen samt Rosmarinkartoffeln als feste Institution im Viertel Porta Romana.
Feinkost, Aperitivo und Bohème-Treffpunkte
Peck (Via Spadari 9): Der aus Prag stammende Fleischer Francesco Peck eröffnete 1883 sein erstes Geschäft in der Via Orefici. Nach dem Umzug an die heutige Adresse im Jahr 1912 etablierte sich Peck als Lieferant des Königshauses und entwickelte sich zur zentralen Anlaufstelle für Feinkost in Norditalien.
Camparino in Galleria (Piazza Duomo 21): Davide Campari eröffnete die Bar 1915 am Eingang der Galleria Vittorio Emanuele II. Bekannt für ihren Campari Seltz direkt an der Theke, zeichnet sich der Raum durch Mosaike und Holzarbeiten im Jugendstil aus.
Bar Jamaica (Via Brera 32): Seit 1911 dient das Lokal im Künstlerviertel Brera als Treffpunkt für Studenten, Journalisten und Dozenten der benachbarten Kunstakademie. Die funktionale Einrichtung blieb über Jahrzehnte nahezu unberührt.
Traditionelles Handwerk und Sammlerstücke
La Casa del Bianco (Corso Magenta 2): Piero Sormani gründete 1940 ein Fachgeschäft für Haustextilien. Ab den 1960er- und 1990er-Jahren erweiterte die Familie das Sortiment um Arbeitskleidung und Nachtwäsche aus klassischen Stoffen, die bis heute im Geschäft im Corso Magenta geführt werden.
Historischer Schmuck bei Gioielleria Pennisi
Die 1971 von Giovanni Pennisi gegründete Gioielleria Pennisi in der Via Alessandro Manzoni 29 widmet sich historischem Schmuck. Das Haus führt antike Originalstücke aus den Epochen zwischen 1750 und 1950, mit einem Schwerpunkt auf französischer Juwelierkunst des 19. Jahrhunderts und Entwürfen des Art déco.
