Vom Tattoo-Studio ins Luxushotel: Wie Melanie Nead Raumdesign neu definiert
Design & Einrichtung
Melanie Nead gestaltet mit Lonesome Pictopia handgefertigte Wandbilder und Tapeten für Gastronomiebetriebe.
Vom Tattoo zur Wandgestaltung: Der erzwungene Neuanfang
Eine schwere Sehnenscheidenentzündung zwang Melanie Nead dazu, ihre 15-jährige Karriere als Tätowiererin im renommierten Icon Tattoo Studio in Portland, Oregon, aufzugeben. Doch der Übergang in die Welt des Interieurdesigns zeichnete sich bereits früh ab.
Schon während ihrer Zeit im Studio verzierte sie Wände mit filigranen Mustern, inspiriert von alten amerikanischen Stickereien und Spitzenstoffen. Die handwerklichen Fähigkeiten aus dem Tätowieren erwiesen sich dabei als entscheidender Vorteil für großflächige Gestaltungen.
„Beim Tätowieren arbeitet man auf menschlichen Körpern und lernt genau, wie zweidimensionale Formen mit einem dreidimensionalen Objekt interagieren“, erklärt Nead. Dadurch entwickle man außergewöhnliche feinmotorische Fähigkeiten.
Lonesome Pictopia: Kunsthandwerk im Großformat
Im Jahr 2017 gründete Nead im Portland-Stadtteil Eliot das Designkollektiv Lonesome Pictopia. Zusammen mit Sierra Gotelli und Tashina Hill entwirft und installiert sie seitdem handgefertigte Tapeten, Wandbilder und Fliesen.
Ihre ersten Schritte im Bereich Inneneinrichtung machte sie für das Lokal Bernstein’s Bagels, das von ihrem Ehemann mitgeführt wird. Für den heutigen Standort gestaltete sie unter anderem ein großflächiges Wandbild, das die Zutaten eines Bagels als florale Muster darstellt.
Von lokalen Bars bis zum Luxushotel in Charleston
In Portland prägen die Arbeiten des Kollektivs mittlerweile zahlreiche Bars und Treffpunkte. Dazu gehören Tapeten im Stil antiker griechischer Vasen im Dirty Pretty sowie vergoldete Art-déco-Wandbilder im Box Social und handgemalte Wanddekorationen in der Cocktailbar Psychic.

Jedes Projekt wird wie ein individuelles Tattoo entwickelt. Nead bezieht dabei die Architektur des Gebäudes, lokale Historie sowie Flora und Fauna in das Konzept ein, um funktionale Durchgänge in atmosphärische Räume zu verwandeln.
Auch überregionale Aufträge gehören zum Portfolio: Für das Restaurant The Crossing im The Cooper Hotel in Charleston (South Carolina) kooperierte das Team mit dem New Yorker Designbüro Meyer Davis. Dort gestalteten sie handbemalte Vorhänge mit historischen Landkarten sowie Wandbilder, die von den umliegenden Salzmarschen inspiriert sind.
Die Faszination für öffentliche Räume
Neads Begeisterung für das Gastgewerbe beruht vor allem auf ihrer Vorliebe für Gemeinschaftsorte wie Bahnhöfe oder Bibliotheken.
„An diesen Orten trifft man auf einen echten Querschnitt der Gesellschaft“, betont die Designerin. Ihr Ziel sei es, Räume zu schaffen, in denen Menschen durch die Gestaltung Freude und Inspiration erleben.
