Mario Martones „Scherzetto“: Toni Servillo glänzt im düsteren Neapel
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Mario Martones „Scherzetto“: Toni Servillo glänzt im düsteren Neapel
Rückkehr nach Venedig: Martone und Servillo wiedervereint
Mit Scherzetto kehrt der neapolitanische Regisseur Mario Martone zu den Filmfestspielen von Venedig zurück. Fünf Jahre nach seinem Wettbewerbsbeitrag Qui Rido Io präsentiert er erneut eine Regiearbeit, die sich den gängigen Konventionen des italienischen Mainstream-Kinos entzieht.
Für die Hauptrolle besetzte Martone abermals Toni Servillo. Es ist die mittlerweile siebte Zusammenarbeit des Duos, deren gemeinsame Laufbahn 1992 mit Martones Spielfilmdebüt Morte di un diplomatico napoletano begann.
Das Drehbuch verfasste Martone gemeinsam mit Ippolita Di Majo auf Grundlage eines Romans von Domenico Starnone. Während Arbeiten wie Nostalgia in Cannes liefen oder das Drama Fuori ins Rom der 1980er-Jahre führte, verortet der Filmemacher sein neues Werk wieder in Neapel. Die Stadt dient hierbei nicht als pittoreske Kulisse, sondern als vielschichtiger, melancholischer Schauplatz.
Filmszene aus Scherzetto von Regisseur Mario Martone
Klaustrophobische Begegnung im neapolitanischen Elternhaus
Die Handlung führt in das regnerische Areal um den Hauptbahnhof und die Piazza Garibaldi. Dort trifft der renommierte Künstler Daniele Mallarico (Toni Servillo) ein, der trotz anhaltenden Erfolgs von Frustration und Isolation gezeichnet ist. Er kehrt in die Wohnung seiner Kindheit zurück, die inzwischen von seiner Tochter Betta (Serena Rossi), deren Mann (Leonardo Lidi) und Sohn Mario (Lorenzo Perrotta) bewohnt wird.
Daniele soll für zwei Tage die Betreuung des Enkels übernehmen, während die Eltern eine auswärtige Fachtagung besuchen. Gleichzeitig steht der Maler unter dem Druck, dringende Illustrationen für eine Buchveröffentlichung fertigzustellen. Schnell zeigt sich, dass der aufgeweckte, eigenwillige Junge eine Einsamkeit in sich trägt, die Daniele nur allzu vertraut ist.
Die erzwungene Gemeinschaft fordert den verschlossenen Patriarchen heraus und zwingt ihn zur Konfrontation. Zugleich drängen dunkle Erinnerungen aus den Wänden der alten Wohnung hervor, die das Anwesen zunehmend in ein beklemmendes Gefängnis verwandeln.
Zwischen Familiendrama und übernatürlichem Thriller
Toni Servillo zeichnet Mallarico als narzisstischen Einzelgänger, dessen Schutzmauern durch das Zusammentreffen mit dem Kind brüchig werden. Der junge Lorenzo Perrotta agiert darstellerisch auf Augenhöhe und erinnert in seiner Intensität an frühe Kinderrollen wie jene von Giorgio Cantarini. Das Zusammenspiel meidet melodramatische TV-Muster zugunsten psychologischer Glaubwürdigkeit.
Kritische Einordnung des Werks
Martone nutzt das familiäre Kammerspiel, um grundlegende Fragen über Erinnerungskultur, Generationskonflikte und die Verbindung von Kunst und Biografie zu verhandeln. Zeitweise streift die Inszenierung das Genre des übernatürlichen Thrillers, ohne den Realitätsbezug aufzugeben. Die Geschichte balanciert zwischen situativer Komik und Beklemmung, ehe sie in eine kathartische Auflösung übergeht.
Filmkritiker Giulio Zoppello unterstreicht, dass die Inszenierung trotz mancher autoreferenzieller Momente ein facettenreiches Porträt sozialer Distanz und familiärer Verstrickungen liefert. Das Werk profitiert von formaler Präzision und vermeidet narrative Vereinfachungen.
Filmkritiker Giulio Zoppello


