Jacqueline de Ribes: Einblicke in das 1963 erbaute Domizil der Mode-Ikone bei Saint-Tropez
Mode & Stil
Das provenzalische Anwesen Les Hauts de Saint Marc über dem Golf von Saint-Tropez.
Hoch über dem Golf von Saint-Tropez liegt das Anwesen Les Hauts de Saint Marc. Für die französische Modeschöpferin und Stilikone Jacqueline de Ribes war der Landsitz über Jahrzehnte ein privater Rückzugsort, an dem sie ihren ganz eigenen Rhythmus pflegte.
Die Vormittage verbrachte sie meist zurückgezogen in ihrem portugiesischen Mahagonibett aus dem 18. Jahrhundert. Erst am späten Nachmittag oder kurz vor dem Abendessen erschien sie im Kreis der Familie und Gäste, gekleidet in prägnante Kaftane mit Juwelengürteln.
Außenansicht des provenzalischen Anwesens Les Hauts de Saint Marc in Südfrankreich.
Ihr Ehemann, Graf Édouard de Ribes, blickte seine Frau selbst nach 50 Ehejahren bei jedem Auftritt voller Bewunderung an, wie ihre Enkelin Alix de La Rochefoucauld berichtet.
Aristokratische Wurzeln und Designgeschichte seit 1963
Das Haus gehörte ursprünglich Jacquelines Mutter, Paule de Beaumont. Die Erbin des Kautschuk- und Latexvermögens der Familie Rivaud übersetzte unter anderem die Theaterstücke von Tennessee Williams ins Französische.
Flur und Innenarchitektur im Haus Les Hauts de Saint Marc.
Schlafzimmer mit Kissen, Nachttischlampe und Kunstwerken an den Wänden.
Ihr Ehemann Jean de Beaumont stammte aus einer traditionsreichen Adelsfamilie, zu deren Vorfahren ein General zählte, der unter der Französischen Revolution, Napoleon und Ludwig XVIII. diente. Die Beaumonts lebten zwischen Paris, Korsika und der Provence in einer unkonventionellen, freigeistigen Atmosphäre der 1960er-Jahre.
Vom Pariser Laufsteg ins provenzalische Refugium
Jacqueline heiratete Graf Édouard de Ribes bereits mit 19 Jahren. Schon 1955 kooperierte sie mit dem Couturier Oleg Cassini und stellte damals einen noch unbekannten Nachwuchsdesigner namens Valentino Garavani ein.
Jacqueline de Ribes im Jahr 1985 inmitten eigener Modeentwürfe.
Bald stieg sie zur Muse für Yves Saint Laurent, Hubert de Givenchy und Guy Laroche auf, bevor sie 1982 ihre eigene Haute-Couture-Linie gründete.
Nach dem Tod ihrer Mutter im Jahr 2000 übernahm Jacqueline das Haus. Sie behielt viele Originalelemente bei – wie das rosa Badezimmer mit regionalen Fliesen – und kombinierte die Pop-Art-Elemente ihrer Eltern mit schlichten Beige- und Weißtönen.
Essbereich mit Holztisch und historischem Porträt an der Wand.
Geschmiedete Chaiselongue auf der Terrasse des Anwesens.
Erbaut wurde das Haus 1963 von Philippe Tallien und anschließend von Claude Chauvin an die Wünsche der Familie angepasst. Perfektionismus prägte stets den Alltag: Gäste wurden mit dem hauseigenen Getränk aus Zitronensaft und Erdbeersirup empfangen.
Blick durch die Arkaden und Holzstrukturen im Innenbereich.
Gastfreundschaft und Perfektionismus an der Côte d’Azur
In den Innenräumen mischen sich Familienerbstücke und Ahnenporträts mit Drucken von Picasso und lokalem Kunsthandwerk. Typisch für die Region sind die geschwungenen Schmiedeeisenmöbel und die Fenster mit grünen Fensterläden, umrahmt von Bougainvillea.

Schlafzimmer mit Baldachinbett und klassischer Beleuchtung.
Badezimmer mit nostalgischer Badewanne und historischen Fliesen.
Die Tage vergingen mit langen Mittagessen, Runden im Pool oder Pétanque-Partien unter einer alten Schirmpinie. In 15 Autominuten erreichten die Bewohner den Strand von Beauvallon, in weiteren 15 Minuten das Zentrum von Saint-Tropez.
Mediterrane Natur und Pinienbäume rund um das Anwesen.
Jacqueline selbst bevorzugte Cocktails wie den White Lady mit frischem französischem Zitronensaft. Zum Abendessen wurde stets frischer Fisch serviert, gefolgt von einem kronenförmigen Bavarois mit Joghurt und Walderdbeeren – dem Lieblingsdessert ihres Mannes.
In kühleren Monaten versammelte sich die Familie am Kamin vor einem Eilersen-Tisch von 1970 und Poufs von Mario Bellini. Am Poolhaus waren die Lichter dezent an den Wänden platziert, da Jacqueline zu grelles Licht für Damen stets ablehnte.
Prominente Gäste und familiäre Verbundenheit
Zu den Stammgästen zählten Persönlichkeiten wie Gianni und Marella Agnelli, Jack Nicholson, Marie-Hélène de Rothschild und Gunter Sachs. Jacqueline unterhielt die Gesellschaft bis spät in die Nacht mit psychologisch feinsinnigen Anekdoten.
Gleichzeitig zeigte sie sich im Kreis der Familie als fürsorgliche Großmutter, die für ihre Enkelkinder eigene Geschichten erfand. Für die Hochzeit ihrer Enkelin Alix entwarf sie den Schnitt des Brautkleids eigenhändig im Atelier von Emmanuel Ungaro.
Ihr Profil, das Richard Avedon einst als Sphinx fotografierte, hing als Druck im Haus neben den historischen Porträts. 2010 wurde sie im Élysée-Palast zum Ritter der Ehrenlegion ernannt.
Ihr gestalterischer Anspruch blieb bis ins hohe Alter kompromisslos. Bei einer Gala im Musée d’Orsay korrigierte sie Tischtücher, Blumengestecke und Platzkarten im Detail aus der Ferne, um ihren Standards gerecht zu werden.
Nach ihrem Tod Ende 2025 erreichten unzählige Blumenarrangements die Familie, darunter eine Wand aus weißen Blüten der Familie Arnault sowie Grüße des Musée d’Orsay und der Winzer aus Grimaud.










