Zum Inhalt springen
Antonia Michalsky

Dior-Kollektion 2000 bis heute: Wie das Newspaper Dress zur Ikone wurde

Sarah Jessica Parker im Dior Newspaper Dress am Set von Sex and the City Mode & Stil

Sarah Jessica Parker machte das Dior-Zeitungskleid in Sex and the City weltberühmt.

Manche Muster gehören zu einer bestimmten Saison, andere überdauern Jahrzehnte. Das sogenannte Newspaper Dress mit seinen gedruckten Spalten, Schlagzeilen und Schwarz-Weiß-Fotografien gehört zweifellos zur zweiten Kategorie.

Das Konzept lebt von einem reizvollen Widerspruch. Ein vergängliches Wegwerfprodukt wie die Tageszeitung wird auf kostbare Stoffe übertragen und dadurch haltbar gemacht.

Die Ursprünge: Mehr als 150 Jahre vor Gallianos Entwurf

John Galliano hat das Zeitungsmuster keineswegs erfunden. Die dokumentierte Geschichte des Motivs reicht bis in das 19. Jahrhundert zurück.

Bereits 1866 trug Matilda Butters, die Ehefrau des australischen Politikers James Stewart Butters, in Melbourne ein Ballkleid mit Motiven lokaler Zeitungen. Das historische Stück wird bis heute in der State Library of Victoria aufbewahrt.

Im Jahr 1935 übertrug die Designerin Elsa Schiaparelli die Idee erstmals in die moderne Haute Couture. Sie nutzte Zeitungsausschnitte als grafische Drucke für Kleider, Schals und Accessoires.

Der Wendepunkt im Jahr 2000: John Galliano und Dior

Den weltweiten Durchbruch feierte das Muster im Jahr 2000 unter der kreativen Leitung von John Galliano bei Christian Dior. Für die Prêt-à-porter-Kollektion Herbst/Winter 2000–2001 entwarf er die fiktive Zeitung Christian Dior Daily.

Der Druck erschien auf Chiffon, Leder, Denim und Unterwäsche. Galliano nutzte das Motiv auch als direkte Reaktion auf vorangegangene Medienkritik an seiner Arbeit.

Soziale Kontroverse auf dem Laufsteg

Die Dior-Kollektion war von Beginn an umstritten. Galliano ließ sich unter anderem von Pariser Obdachlosen inspirieren, die sich mit Zeitungen vor der Kälte schützten.

Dior-Kollektion 2000 bis heute: Wie das Newspaper Dress zur Ikone wurde

Die Verwandlung dieser prekären Realität in hochpreisige Luxusmode löste intensive Debatten über die Grenze zwischen modischer Provokation und der Ästhetisierung von Armut aus.

Popkultur-Status durch Carrie Bradshaw

Den endgültigen Ikonenstatus erlangte das Kleid jedoch abseits des Laufstegs durch Sarah Jessica Parker in der Serie Sex and the City.

In der dritten Staffel trägt ihre Figur Carrie Bradshaw das asymmetrische Dior-Kleid bei einer Konfrontation mit Natasha, der Ehefrau von Mr. Big. Der Entwurf tauchte später auch im Kinofilm Sex and the City 2 erneut auf.


Sarah Jessica Parker am Set von Sex and the City

Von Jenna Ortega bis Rosalía: Das Revival

Die Relevanz des Motivs hält ungebrochen an. Im Jahr 2025 erschien die Schauspielerin Jenna Ortega bei der New Yorker Premiere des Films Hurry Up Tomorrow in einem originalen Vintage-Modell von Dior.

Wenig später zeigte sich die Sängerin Rosalía in Mexiko-Stadt in einem zeitgenössischen Midikleid von Desigual, das den Zeitungsprint neu interpretiert.

Warum der Zeitungsprint funktioniert

Die anhaltende Faszination basiert auf der starken grafischen Wirkung von schwarzer Typografie auf hellem Hintergrund. Das Auge nimmt die Struktur sofort als Nachricht wahr, selbst ohne die einzelnen Artikelzeilen aktiv zu lesen.