Das Ende von „Chic“: Warum Modejournalisten das Kultwort jetzt meiden
Mode & Stil
Der Modebegriff Chic steht nach neuen Social-Media-Trends in der Kritik.
Es gibt einen Punkt, an dem ein Wort durch ständige Wiederholung seine Bedeutung verliert. Genau das passiert derzeit mit dem Begriff „chic“.
Ursprünglich im 19. Jahrhundert aus dem Französischen ins Englische und die weltweite Modewelt übernommen – mutmaßlich angelehnt an das deutsche Wort „schick“ –, stand der Ausdruck einst für Pariser Finesse. Heute dient er als pauschales Etikett für alles Mögliche: von der Sonnenbrille bis zur Scheibe Toast.
Eine visuelle Auseinandersetzung mit dem Begriff Chic in der Modewelt.
Vom Statussymbol zum Social-Media-Meme
Über Jahrzehnte prägte das Wort Epochen und Ikonen – von Audrey Hepburns Haarschnitt bis zu Jane Birkin, Carine Roitfeld oder Jeanne Damas. Doch der inflationäre Gebrauch brachte auch Stilblüten wie Geek-Chic, Boho-Chic und Heroin-Chic hervor.
Nun sorgt der virale Trend „kinda chic to“ auf Plattformen wie TikTok und Instagram für den endgültigen Bedeutungsverlust. Was als ironische Beobachtung begann, wurde schnell von Marken als Marketingphrase für Sonnencreme oder Flugreisen übernommen.

In einigen Moderedaktionen steht das Wort bereits seit Jahren auf internen Sperrlisten. Branchenkenner und Autorinnen erklären, welche Alternativen sie bevorzugen.
Welche Begriffe den Mode-Wortschatz ablösen
- Maggie Zhou (Redakteurin & Podcasterin): Bevorzugt Begriffe wie „jaunty“ (beschwingt oder keck). Das Wort „chic“ transportiere oft nur noch privilegierte, einheitliche Ästhetiken.
- Cait Emma Burke (Autorin): Verzichtet komplett auf das Füllwort und setzt auf präzise Beschreibungen von Schnitt, Stofflichkeit, Details und Passform, um Mode echten Wert zu geben.
- Emma Gleason (Kulturjournalistin): Greift lieber zu dynamischen Worten wie „fabulous“ oder „kitsch“.
- Daniel Mizzi (Freier Modejournalist): Setzt auf „louche“ (verrucht, dekadent). Während Chic käuflich sei, stehe „louche“ für echte Ausstrahlung und stilvollen Bruch.
- Zoe Walker Ahwa (Journalistin): Verwendet Worte wie „wonky“ für bewusst unperfekten Stil und kritisiert das voreilige Verwenden von Begriffen wie „ikonisch“ oder „refined“.
- Tessa Patrick (Autorin): Nutzt gerne „easeful“ als frische Alternative zu „effortless“ und beobachtet, wie virale Trends Ausdrücke entkernen.
- Daisy Henry (Features-Editor): Weicht auf Attribute wie verspielt, eigenwillig oder extravagant aus, um Looks treffender zu beschreiben.
- Stephanie Simons (Autorin): Sieht in dem Schlagwort oft nur einen bequemen Ersatz für eine echte, fundierte Meinung zu einem Outfit.
- Jillian Arcenas (Produktionskoordinatorin): Nutzt im Alltag lieber offenere Begriffe wie „gorg“, da Chic längst nicht mehr klar definiert sei.
Die sprachliche Entwicklung zeigt deutlich: Wenn alles als „chic“ deklariert wird, beschreibt der Begriff am Ende gar nichts mehr.

