Bis zu 156 Werbepartner: Was wirklich hinter Cookie-Bannern und digitalem Tracking steckt
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Hinter einfachen Klicks im Cookie-Banner stehen oft hunderte Werbepartner und komplexe Tracking-Profile.
Ein Klick auf „Akzeptieren“ oder „Einstellungen verwalten“ gehört zum Standard beim Surfen im Internet. Hinter den scheinbar simplen Schiebereglern verbirgt sich jedoch ein weit verzweigtes Netzwerk aus Werbenetzwerken, Marktforschern und Datenhändlern.
Die rechtliche Grundlage für diesen Datenaustausch basiert meist auf dem Transparency and Consent Framework (TCF) des Verbands IAB. Getroffene Datenschutzauswahlen werden dabei typischerweise in Cookies wie fides_consent für bis zu 12 Monate auf dem Endgerät gespeichert.
Das Netzwerk der Datenverarbeiter im Hintergrund
Stimmen Nutzer der Speicherung von Daten auf ihren Geräten zu, erhalten oft mehr als 150 Drittanbieter gleichzeitig Zugriff. In typischen CMP-Setups teilen sich bis zu 156 Partnerunternehmen Identifikatoren, IP-Adressen und Browser-Informationen.
Zu den Akteuren zählen Dienstleister wie 6sense, A.Mob, ADYOULIKE oder Virtual Minds. Sie nutzen lokale Speichertechnologien und Cookies, um Geräte über Besuche hinweg eindeutig wiederzuerkennen.
Personalisierte Werbung und Profilbildung im Detail
Insgesamt 125 Anbieter sind in Standardkonfigurationen darauf spezialisiert, umfassende Werbeprofile von Nutzern zu erstellen. Diese Profile basieren auf Suchanfragen, aufgerufenen Artikeln und getätigten Interaktionen.
Wer beispielsweise mehrfach Artikel über Fahrradzubehör liest und zeitgleich Fahrzeugkonfiguratoren nutzt, wird von Algorithmen als kaufkräftige Zielgruppe für Luxus-Radsportartikel eingestuft. Diese Profile werden domänenübergreifend weitergereicht und für gezielte Anzeigenplatzierungen genutzt.
Vom Leseverhalten zur maßgeschneiderten Inhaltsausspielung
Nicht nur Werbung, auch redaktionelle Inhalte werden zunehmend automatisiert an Nutzerprofile angepasst. Mindestens 43 Werbepartner erstellen Verhaltensprofile, um zu bestimmen, welche Videos oder Artikel auf Startseiten prominenter platziert werden.

Schaute ein Nutzer auf einer Videoplattform Beiträge zur Raumfahrt oder veganen Ernährung, verwenden externe Partner diese Information, um Empfehlungen auf völlig unabhängigen Nachrichtenseiten oder Koch-Apps zu steuern.
Standortverfolgung und digitales Fingerprinting
Besondere Brisanz liegt in den sogenannten Sonderfunktionen der Plattformen. Bei aktivierter Standortfreigabe verarbeiten bis zu 59 Dienstleister präzise Geodaten mit einem Radius von weniger als 500 Metern.
Gleichzeitig setzen 19 Anbieter auf aktives Geräte-Fingerprinting. Dabei werden installierte Schriftarten, Plug-ins und Bildschirmauflösungen abgefragt, um Endgeräte auch ohne herkömmliche Cookies eindeutig zu identifizieren.
Speicherfristen von bis zu 731 Tagen
Die Verweildauer der gesetzten Tracking-Elemente variiert je nach Anbieter stark. Während Unternehmen wie ABCS Insights oder ADYOULIKE Daten zumeist für 60 Tage vorhalten, speichern Anbieter wie A.Mob Cookies für 395 Tage.
Der Datenverarbeiter 6sense setzt auf maximale Fristen von bis zu 731 Tagen für gespeicherte Cookies auf dem Endgerät, während erhobene Nutzungs- und Interaktionsdaten für 400 Tage archiviert und ausgewertet werden.
