10 cm statt 35 cm: Wie ein Doppelhaus in Oslo fast 40 Quadratmeter Wohnfläche gewann
Design & Einrichtung
Das moderne Doppelhaus in Oslo kombiniert extrem schlanke Außenwände mit hoher Energieeffizienz.
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In Oslo standen zwei Familien vor einer anspruchsvollen Bauaufgabe: Auf einem 1161 Quadratmeter großen Grundstück im Garten eines Altbaus sollte ein Doppelhaus entstehen. Strenge Bauvorschriften und begrenzte Grundflächen verlangten nach einer unkonventionellen Architektur.
Der norwegische Architekt Knut Hjeltnes fand eine konstruktive Lösung. Durch eine radikale Reduktion der Außenwandstärken gewann er für beide Parteien insgesamt fast 40 Quadratmeter zusätzliche Nutzfläche.
Hightech-Fassade spart 25 Zentimeter Wandstärke
Im rauen skandinavischen Klima sind Außenwände mit einer Stärke von mindestens 35 Zentimetern der Standard, um Wärmeverluste zu verhindern. Der Neubau in Oslo begnügt sich dagegen mit einer Wandstärke von lediglich 10 Zentimetern.
Flach gedecktes Haus aus weißem Stahl mit grünen Holzfensterläden
Trotz der schlanken Bauweise übertrifft das Gebäude die gesetzlichen Dämmstandards deutlich. Im Sockel- sowie im zweiten Obergeschoss basiert der Aufbau auf nur vier Zentimeter dünnen Vakuumisolationspaneelen.
Das Prinzip gleicht einer Thermoskanne: Durch den luftleeren Raum im Inneren der Paneele findet keine Konvektion statt, wodurch der Wärmetransport blockiert wird. Ergänzt wird die Dämmschicht durch ein fünf Zentimeter starkes Ständerwerk mit Mineralwolle und eine innere Abdeckung aus zwölf Millimeter Sperrholz.
Außenansicht des Gebäudes mit Stahlfassade und Klappläden
Dieser Aufbau erzielt einen herausragenden U-Wert von 0,08 W/m²K. Der Aufwand bei der Verarbeitung der druckempfindlichen Vakuumdämmung ist zwar hoch, ermöglichte jedoch den entscheidenden Raumgewinn.

Mit Sperrholz ausgekleidete Küche und Esszimmer mit Holztisch
Aerogel-Verglasung für Licht und Privatsphäre
In der mittleren Wohnebene setzt Hjeltnes auf ein anderes Konzept: Hier kommt eine 103 Millimeter starke Aerogel-Verglasung (Solera S) zum Einsatz. Mit einem U-Wert von 0,22 W/m²K unterschreitet auch dieser Bereich die deutschen GEG-Vergleichsnormen.
Aerogel ist ein silikatbasierter Feststoff, der zu über 90 Prozent aus Luft besteht und außergewöhnliche Wärmedämmeigenschaften besitzt. Im Zusammenspiel mit transluzenten Oberflächen streut das Material das einfallende Tageslicht weitwinklig in die Tiefe der Räume.
Zonierung und Materialwahl im Innenraum
Transparente Sichtfenster wechseln sich mit den diffus lichtdurchlässigen Aerogel-Elementen ab. Das schützt die Bewohner vor Einblicken aus der Nachbarschaft und sichert gleichzeitig helle Innenräume während der dunklen Wintermonate.
Frau auf der Treppe im lichtdurchfluteten Holztreppenhaus
Holzverkleideter Essbereich mit Einbauschränken
Jede Haushälfte umfasst 157 Quadratmeter Wohnfläche, ergänzt durch flexible Nutzflächen und Garagen im Sockelgeschoss. Das Innendesign wird von durchgehenden Sperrholzverkleidungen geprägt, die Einbauten, Küchenelemente und Stauräume nahtlos integrieren.
Holzverkleidetes Schlafzimmer mit Übergang zum Badezimmer
Eingangsbereich im Sockelgeschoss mit Fahrrad
Seitenansicht des Doppelhauses mit begrüntem Flachdach
Konstruktive Eckdaten des Projekts
Das von 2019 bis 2021 errichtete Gebäude ruht auf einem Betonfundament und besteht aus einer präzise gefügten Stahlkonstruktion. Eine Erdwärmepumpe versorgt die integrierte Fußbodenheizung mit Energie, ergänzt durch traditionelle Kaminöfen auf den Wohnebenen.
Das Architektenteam von Knut Hjeltnes Sivilarkitekter
- Standort: Oslo, Norwegen
- Architektur: Knut Hjeltnes Sivilarkitekter mnal AS
- Bauzeit: 2019–2021
- Wohnfläche: 157 m² je Einheit (plus 39/78 m² Nutzfläche)
- Gebäudehülle: Stahlkonstruktion, Vakuumisolationspaneele, Aerogel-Verglasung (Advanced Glazings Canada), dreifach verglaste Holzfenster
- Haustechnik: Erdwärmepumpe, Fußbodenheizung, begrüntes Flachdach










